Am Anfang gibt es ein Bild.
Doch das Bild erscheint hier nicht als Objekt, sondern als Prozess. Es existiert nicht in einem stabilen Zustand, sondern in einer fortlaufenden Verhandlung mit Zeit, Bewegung und Anwesenheit. Mit jedem Augenblick beginnt seine Oberfläche zu erodieren. Zeit schreibt sich als Störung in die Darstellung ein. Berührungen, Gesten und die Verdichtung von Aktivität beschleunigen diesen Prozess.
Je mehr Aufmerksamkeit dem Bild zukommt, desto instabiler wird es. Was in digitalen Netzwerken gewöhnlich Sichtbarkeit erzeugt, führt hier zum Gegenteil: Aufmerksamkeit produziert Entropie. Das Werk reagiert nicht auf einzelne Betrachter, sondern auf die Intensität kollektiver Präsenz. Das Bild beginnt zu flimmern, zu zerfallen, sich selbst zu überschreiben.
Erinnerung verwandelt sich in Rauschen. Repräsentation wird zu Spur. Aus einer fotografischen Oberfläche entsteht ein instabiler Speicher, in dem jede Begegnung die Bedingungen seiner Sichtbarkeit verändert. Das Bild verliert seine Eindeutigkeit und gewinnt zugleich eine andere Form von Existenz – als permanenter Übergang zwischen Entstehung und Verlust.
Die Arbeit versteht digitale Medien nicht als Technologien der Bewahrung, sondern als Systeme kontrollierter Vergänglichkeit. Sichtbarkeit erscheint nicht als dauerhafter Zustand, sondern als ein fragiles Ereignis. Was sichtbar wird, ist nicht das Motiv selbst, sondern seine fortlaufende Auflösung.
Der Glitch ist dabei kein Fehler. Er ist die Sprache des Systems.
So stellt die Arbeit nicht die Frage, was ein Bild zeigt. Sie fragt vielmehr, wie lange ein Bild sich erinnern kann – und was von ihm bleibt, wenn die Kräfte von Zeit, Interaktion und kollektiver Anwesenheit beginnen, an seinem Gedächtnis zu arbeiten.
Das Bild verschwindet nicht trotz seiner Betrachter.
Es verschwindet durch sie.